© Copyright Susanne Wolf, Am Nellenberg 23, 87480 Kleinweiler; Deutschland Nicht nur Kuh und Käs’ ... Das Allgäu, ein Landstrich mit Glastradition. Nur Kühe und Käse ..., ein Bild des Allgäus, das vor  allem von der Tourismuswerbung geprägt ist, hat nur  wenig mit der Realität gemein. Neben zahlreichen  kleineren und größeren Handwerksbetrieben wird der  Wirtschaftsraum Allgäu heute von einer florierenden  Mittelstandsindustrie bestimmt. Zu diesem Mittelstand  können auch die in Kaufbeuren ansässigen Glashütten,  die Neugablonzer Glasindustrie und Betriebe des  Glashandwerks gezählt werden. In Bad Wurzach  werden in der Oberland Glas AG täglich mehr als eine  Million Hohlgläser hergestellt.  Die Glasherstellung und -verarbeitung hat im Allgäu  eine Jahrhunderte lange Tradition: Vom 17. Jahrhundert  bis zum 19. Jahrhundert waren in der Adelegg, einem den Alpen vorgelagerten, auch heute noch  stark bewaldeten Höhenzug zwischen Kempten und Isny, Glasmacher ansässig.  Die Adelegg wird von zwei kleinen Flüsschen durchschnitten: Die  Eschach und die Kürnach. Diese beiden Flüsschen waren für die  Glasmacher in der Adelegg  von großer Bedeutung, da  sie zum einen als Trans-  portwege benutzt wurden  und zum anderen für die  Rohstoffgewinnung wichtig  waren: Der Hauptbestand-  teil des Glases, das Quarz,  wurde in Form von Steinen  gesammelt und zerkleinert.  Der Holzreichtum der Adel-  egg war notwendige Voraussetzung für die Glas-  macherei: Energieversorgung, Rohstoff in Form von  Pottasche als Flußmittel, Baustoff für Gebäude und  Transportmittel ... . Dr. Manfred Felle schreibt in seinem Buch  "Schmidsfelden, Eine Allgäuer Glashütte des 19.  Jahrhunderts":  “Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge  möchte ich vorweg einen kurzen Überblick über die  Entstehung der Glasmacherei im Allgäu geben.  Hierbei soll weniger auf die einzelnen Hütten  eingegangen werden, als vielmehr auf die  Glasmacherei als Faktor innerhalb der wirtschafts- und  sozialgeschichtlichen Entwicklung des Allgäus nach dem Dreißigjährigen Krieg. Wann die erste  Glashütte in der Adelegg entstanden ist, läßt sich heute nicht mehr belegen. Die frühesten  Urkunden stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die  erste, ein Hofkammerprotokoll des Stifts Kempten, stammt aus dem  Jahre 1671, die zweite, die Niederschrift eines Trauchburger  Zeugenverhörs, von 1674, und die dritte, ein Pachtvertrag mit dem  Kloster Isny, aus dem Jahre 1678. Es soll hier nicht näher auf diese  Urkunden eingegangen werden. Es sei lediglich die Tatsache vermerkt,  daß zwei der Urkunden den Schluß zulassen, daß bereits vorher  Glashütten bestanden haben. Eine Reihe von wirtschaftlichen  Gesichtspunkten deutet auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg:  Dieser Krieg hatte im Allgäu außerordentliche Verwüstungen  hinterlassen. Kaum eine Stadt, die nicht ganz oder teilweise der  Zerstörung zum Opfer gefallen wäre und nun nach Wiederaufbau  verlangte. Dazu kam, daß der Wiederaufbau dem Stil der neuen Zeit  entsprechend durchgeführt wurde. Die enge mittelalterliche Bauweise mit  den meist winzigen Fenstern wurde durch die großzügigen Bauformen  des Barock ersetzt, die helle Farbigkeit der Innenräume verlangte nach  großen Fenstern. Zu den wiederaufgeführten Bauten gesellten sich neue Projekte beachtlicher  Ausmaße, z. B. die Kemptener Residenz, so daß allein schon die nächste Umgebung zumindest  den Flachglasabsatz für Jahre   sicherstellte. Ganz abgesehen von den  Schwierigkeiten des Transports,   wäre es rein finanziell gar nicht möglich  gewesen, Glas in der   erforderlichen Menge von auswärts zu  kaufen. Wie arm das Allgäu zu   dieser Zeit war, mag man der Tatsache  entnehmen, daß im Jahre 1649   die Stadt Kempten versuchte, durch einige  Emissäre in der Schweiz Kredite   aufzunehmen, an deren Höhe (900 - 1500  Gulden) allein schon zu sehen   ist, daß man nach jedem Strohhalm griff.  Auch der Bedarf an Hohlglas,   also an Geschirr und Gefäßen aller Art, war  erheblich, da durch den   flagranten Metallmangel nach dem Kriege  Ersatzstoffe gesucht werden   mußten, die die Herstellung der Gefäße  aus Zinn, Kupfer, Messing usw.   ersetzen konnten - mindestens soweit der  Bedarf des Bürgertums, der   Geistlichkeit und der Standesherrschaft in  Frage kam. Erst nach Deckung   dieses Bedarfs kam dem Bauernstand, der  ohnehin den Gebrauch von Holz- und Tongeschirr gewöhnt war, das Glas zu.Neben diesen  Problemen der regionalen Bedarfsdeckung kommen auch überregionale Entwicklungen zum  Tragen. Von Frankreich aus hatten sich im Laufe der 2.  Hälfte des 17. Jahrhunderts die Ideen des  Merkantilismus und Kameralismus über ganz Europa  verbreitet. Auch begannen zu dieser Zeit die Landes-  herren damit, Bevölkerungs- und Besiedelungspolitik zu  betreiben. Dem vom Kriege großenteils seiner  Einwohner beraubten Lande wurden aus dichter  besiedelten Gebieten, z. B. aus der Schweiz und aus  Vorarlberg, Neusiedler zugeführt. Im Rahmen dieser  Bestrebungen konnte durch Ansiedlung von Glashütten  eine ganze Reihe von Zielsetzungen gleichzeitig  erreicht werden.  Durch den ungeheuren  Holzverbrauch fraßen sich  die Glashütten gleichsam in die undurchdringlichen Urwälder des  Kürnach- und Eschachtales hinein und hinterließen, soweit geplant,  nach ihrer Verlegung fertig gerodete Gebiete. Diese standen dann  für Besiedelung und landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung.  Gleichzeitig wurden Arbeitsplätze für die Siedler geschaffen, welche  teils als Vollarbeitsstätten, teils zum Nebenerwerb nutzbar waren.  Dabei kam auch die Tatsache zum Tragen, daß ein autonom  geschaffenes Gewerbe eine Reihe von Folgegewerben nach sich  zieht. In unserem Falle wurde insbesondere das Transportwesen mit  seinen Flößern und Fuhrleuten gefördert.  Eine weitere Aussicht Wohlstand und Einkommen auf lange Zeit zu  schaffen, ergab sich aus der Ausbildung bislang berufsloser und  damit vom kameralistischen Standpunkt aus eher Lasten  verursachender Landeskinder, zu qualifizierten Facharbeitern,  welche das acquisitorische Potential ihres Landesherren mehrten.”  Die Glasherstellung in der Adelegg endete 1898 mit der Schließung der Glashütte in  Schmidsfelden.  Quelle: Dr. Manfred Felle, Schmidsfelden, Eine Allgäuer Glashütte des 19. Jahrhunderts, Diss., München 1977. Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dipl.-Kfm. Dr. Phil. Manfred Felle vom 17. September 2002. 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